Chronik des Verkehrspuppenspiels in Nürnberg
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Chronik des Verkehrspuppenspiels in Nürnberg

Nachdem Hamburg als erste deutsche Stadt den Vorreiter gespielt hatte, gründete Georg Seibert, ebenfalls im Jahr 1952, die Nürnberger Verkehrspuppenbühne.

Die Kollegen Georg Seibert, Simon Engelhard und Emil Müller gaben ihr Bestes, um die Kinder der 1. bis 4. Klasse auf die Gefahren des Straßenverkehrs aufmerksam zu machen.



Leider ging dem Theater 1968, damals noch unter städtischer Regie, der finanzielle Atem aus. Kasperl und der Schutzmann Scharf mussten ihren Dienst quittieren.
Auch nach Verstaatlichung der Nürnberger Stadtpolizei dachte in München niemand daran, die Nürnberger Puppen aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen.
Es dauerte bis zum Jahr 1989, ehe der damalige Leiter der Verkehrspolizeiinspektion, Reinhardt Amann, die Puppenbühne wieder zum Leben erweckte.
Der erste Auftritt nach fast 22-jähriger Pause, am 18.Januar 1990, mit dem Stück „Das gestohlene Geburtstagsgeschenk“ wurde zu einem vollen Erfolg.



Vor Vertretern der Schulbehörde, der Verkehrswacht, der Stadtsparkasse, des ADAC und der Polizei hob der damalige Staatssekretär im Innenministerium, Dr. Günther Beckstein, das mobile Theater aus der Taufe.
Die Nürnberger Nachrichten schrieben dazu einen Tag später: ”Es ist immer wieder erstaunlich, was für Talente hinter den gleichmachenden Uniformen der Beamten versteckt sind”.
Nicht nur die Medien,

auch Fachkreise äußerten sich über die Folgeauftritte sehr positiv und stellten den erzieherischen Wert des Puppenspiels lobend und anerkennend heraus.
So war die Arbeit der Puppenbühne im Jahr 2007 Ziel einer wissenschaftlichen Untersuchung. Frau Libal, damalige Studentin der Sozialwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg, evaluierte in ihrer Diplomarbeit unter Betreuung von Dr. Funk die Nachhaltigkeit des Puppenspiels im Kindergarten.

Von der Erstbesetzung mit Walter Linke, Armin Großmann, Bernhard Nier und Wolfgang Simmerlein ist nur noch der Letztgenannte als Puppenspieler aktiv.

Im Laufe der Zeit kamen Ulrich Egelkraut, Claudia Hirsel und Thomas Kurz hinzu.

Derzeit verleihen Wolfgang Simmerlein, Ulrich Egelkraut und Thomas Kurz den Protagonisten ihre Stimme.



Die Vorstellungen wurden mehr und mehr ausgefeilt, verbessert und verfeinert. Nicht zuletzt Aus- und Fortbildungsveranstaltungen an der Höheren Landespolizeischule Münster und der Landespolizeischule in Brandenburg, Puppenspieler-Symposien in Hamm und Festivals in Wilhelmshaven prägten die Auftritte der

Nürnberger Puppenspieler entscheidend. Neben der Verfeinerung der spielerischen Gestaltung ist es enorm wichtig auch die Inhalte des Puppenspiels den wachsenden erzieherischen und pädagogischen Anforderungen, die sich auch auf Grund von gesellschaftlichen Veränderungen ergeben, anzupassen.

So war es zu Beginn der Puppenspielära ohne weiteres möglich in einem Saal mit über 150 Kindern knisternde Spannung zu erzeugen.



Heute werden im Durchschnitt etwa 75 kleine Zuschauern eingeladen, um eine aktive Mitarbeit der Kinder bei dem Verkehrserziehungsunterricht mit der Puppenbühne zu erreichen.

Verblüffend ist die Tatsache, dass selbst im Zeitalter des Computers das Puppenspiel unglaublich viel Freude, Spaß und Spannung in den kleinen Köpfen erzeugen kann.

Seit Bestehen der Puppenbühne wurden den kleinen Zuschauern regelmäßig Neuinszenierungen geboten.
Hier spielt natürlich auch der Drang der Spieler, ihren Zuschauern ständig etwas Neues bieten zu wollen, eine wichtige Rolle. Letztendlich kann auch nur so das primäre Ziel, die Vermittlung von wichtigen Verkehrsregeln und das richtige Verhalten im Straßenverkehr, verfolgt werden.

Dennoch ging die Nürnberger Puppenbühne auch noch einen anderen Weg.
1994 erarbeiteten die Beamten im Auftrag des Bayer. Landeskriminalamtes ein Puppenstück als Pilotprojekt für die Präventionsarbeit an den Grundschulen.
Dieses Projekt hatte zum Ziel, jugendtypische Gewaltkriminalität zu bekämpfen und geeignete Wege zu finden diese bereits im Keim zu ersticken.

In dem Stück „Frieden für die Teddybären“ wird die Freundschaft der Schüler Steffi, Andi und Boris durch

Neid und Missgunst auf eine harte Probe gestellt und droht an daraus folgenden kriminellen Handlungen zu zerbrechen. Dieses Puppenstück, in dem für die bisherigen Hauptdarsteller Kaspar und Wuschel kein Platz mehr war, wird nicht als Einzelvorstellung dargeboten, sondern ist in ein Gesamtkonzept integriert. Im Vorfeld werden Lehrerkonferenzen und zum Abschluss Elternabende zum Thema „Gewalt an Schulen“ angeboten.
Im Jahr 2007 wurde dieses Bühnenwerk von der Polizeipuppenbühne abgesetzt, da es die aktuelle Situation an den Grundschulen nicht mehr widerspiegelte.

In Zusammenarbeit mit der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) entstand im Jahr 2000 das Puppenstück „Robbi, ein Chef und eine Stinksocke“. Damit werden Grundschüler über das richtige Verhalten an Haltestellen und U-Bahnhöfen informiert. Gleichzeitig soll dem zunehmenden Vandalismus in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgebeugt werden.
Dieses Projekt wurde von der VAG und der Polizeipuppenbühne gemeinsam entwickelt und war damals einmalig in Deutschland.



Mit dem Stück „Gunda und Gerch passen auf im Gwerch“ nahm sich die Polizeipuppenbühne Nürnberg seit 2004 erstmals auch der Senioren an. Diese Form, eine Kombination aus Puppenspiel und Vortrag war einzigartig in Deutschland. Hierbei werden ältere Mitbürger über die Gefahren im Straßenverkehr, von Haustürgeschäften, Trickbetrügereien und Medikamenteneinnahme aufgeklärt.



Die Polizeipuppenbühne Nürnberg präsentiert sich aktuell mit drei Puppenstücken.

Die beiden oben genannten Stücke „Robbi, ein Chef und eine Stinksocke“ und „Gunda und Gerch passen auf im Gwerch“ werden ergänzt von dem Puppenstück „Maxis Abenteuer in der fremden Stadt“.
Dies wird Vorrangig im Kindergarten für die Vorschulkinder gespielt. Sie werden auf spielerische Art und Weise über das Verhalten gegenüber „Fremden“ und die Gefahren im Straßenverkehr aufgeklärt.

Insgesamt besuchten in den vergangenen 20 Jahren ca. 120000 kleine Zuschauer die Aufführungen der Nürnberger Pokizeipuppenbühne.

2006 das altersschwache Fahrzeug der Puppenbühne mit einer großzügigen Spende der Verkehrswacht Nürnberg durch ein neues ersetzt.



Nicht nur hinsichtlich der Stücke hat sich seit 1990 viel verändert, auch bei der technischen Ausstattung der Polizeipuppenbühne hat sich etwas getan.
So wurde auch die Bühne selbst, die 18 Jahre klaglos ihren Dienst geleistet hat, konnte 2008 mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Innenministeriums durch eine neue ersetzt werden.

Sicher ist jedoch jetzt jetzt schon, dass auch in Zukunft die Puppenbühne mit ihren Beiträgen zur Verkehrssicherheit und Gewaltprävention ein unschätbarer Bestandteil der polizeilichen Arbeit bleiben wird, auf den man nie mehr verzichten sollte.

Als Beleg für ihre effektive Arbeit wurde die Polizeipuppenbühne Nürnberg im Jahr 2008 mit dem Sicherheitspreis der Stadt Fürth ausgezeichnet.